Kurz vor dem fünften Fastensonntag: Wüstentag der deutschen Auslandsgemeinde mit einem bunten Leute-Mix aus Volontären, Ordensleuten, Expats, Nachwuchswissenschaftlern,… Wir teilen eine Weggemeinschaft auf Zeit – im Laufen und mit diesem Land. In der Judäischen Wüste verehren die Muslime das Grab des Mose (die christliche Tradition gedenkt seiner gegenüber in Jordanien, auf dem Berg Nebo). Von dort noch ein Stück weiter in die Wüste hinein, dann zu Fuß auf dem Weg, (mehr oder weniger) bergab, Richtung Qumran, zum Toten Meer. Die Gruppe zieht sich; Freiheit zum Sprechen und Kennenlernen, Austauschen.

Zwischendrin auch zum allein Unterwegssein. Mit mir und der Wüste. „Ein Psalm Davids, als er in der Judäischen Wüste war.“ Die erste Zeile von Psalm 63 ist mir damals, im Studienjahr, ins Herz gefallen, als wir bei Sonnenaufgang in dieser Wüste eine Morgenandacht mit den Studenten hielten. Seitdem überlese ich sie nicht mehr. Der Durst Davids nach Gott hat einen Ort bekommen. „Gott, du bist mein Gott. Dich suche ich. Meine Seele dürstet…“

Hinter (?) uns liegt einer der regenreichsten Winter des letzten Jahrzehnts. Heute werden wir dafür belohnt: Die Wüste blüht. Nicht überall. Dort, wo sich im Boden das Wasser sammelt, dafür sichtbar, vielfältig, farbenfroh, verspielt. Grün-bunte Streifen ziehen sich durch die kargen Kalkfelsen. Leben, wo man vor ein paar Monaten, vor der Regenzeit, keines geahnt hätte. Nicht nur ein bisschen, sondern Fülle an Farben und Blüten. „Wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.“ Wie sehr wird am Kontrast deutlich, was das heißt.

Gott als Wasser, das den Durst nach Leben stillt. Der Mangosaft und die zwei Bitter-Lemon, die ich – nach fünf Stunden in der Wüste und nur… zwei Litern Wasser – in mich hineinschütte, sind mir ein profan-handfestes Bild dafür. Die Tageslesungen zum fünften Fastensonntag, die ich mit auf den Weg genommen hatte und die den Tag in der Vorabendmesse mit beschließen, sind es auch, anders und tiefer. „Denk nicht an früher. Schau nach vorne, ich will Neues machen.“, verkündet der Prophet Jesaja als Wort des Herrn (vgl. Jes 43,18f.) Es geht um die große Befreiungserfahrung Israels, den Auszug aus Ägypten. Das Bild für das „Neue“, das Jesaja einen Satz später vorstellt, ist überraschend: „Ich bahne Straßen in der Wüste.“ (vgl. Jes 43,19) Das Neue, nicht als Zustand, sondern als Weg. Zeichen der Gegenwart Gottes für Israel: Nicht dass die Wüste weg ist – sondern in ihr ein Weg da. Auf dem Durst gestillt werden kann. Wo es Leben gibt. Vielfältig, farbenfroh, verspielt.

[Foto: (c) G. Nassauer, 2019]

One thought

  1. „Gott, du mein Gott, dich suche ich.“ Die Wüste flüstert uns tatsächlich still diesen Psalmvers ins Ohr. Mögen auch unsere Alltagswüsten zu Einflüsterern der Gottsuche werden.

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