Sonntag. Der erste Sonntag in Zeiten der verschärften Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen – ohne direkte Teilnahme an der Eucharistiefeier. Vielleicht für  längere Zeit. Eine seltsame Stimmung hat das Land in den vergangenen Tagen erfasst. Zwischen Quarantäne und Krisenmanagement, aktuellen und virtuellen Kontakten, Hamsterkäufen und Schulschließungen, allgemeiner Verunsicherung und spontaner Solidarität. Dem Blick in die europäischen Nachbarländer und der Ahnung, dass es erst anfängt… Den Sonntag feiern? Ja. Mit den buchstäblichen „zwei oder drei“, im Wohnzimmer. In Verbindung mit vielen in anderen Häusern, die nicht mal „zwei oder drei“ sind. In Verbindung mit denen, die in den leeren Kirchen Gottesdienst feiern und uns digital teilnehmen lassen. In der Freude, „zwei oder drei“ sein zu können. Und mit dem Evangelium von der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,5-42).

Die Samariterin am Brunnen beschäftigt mich schon lange. Ausführlich in einer exegetischen Vorlesung und einem pastoraltheologischen Hauptseminar während des Studiums. Bei vielen Gelegenheiten danach und davor. Ich bin der Stelle in manchen meiner Exerzitien begegnet und habe versucht, sie in Vorträgen, Seminaren und Workshops anderen nahezubringen. Ich habe das Gespräch Jesu mit der Samariterin Satz für Satz genossen, darauf herumgekaut; mich faszinieren und … ärgern lassen. Ein Gespräch, das zu Verständigung führt, obwohl es als ein beständiges Aneinander-Vorbeireden gestaltet ist. Das den Bogen von Anrührung und Interesse über Faszination hin zu Wahrheit über mich selbst und den Gesprächspartner, schließlich zur eigenen Sendung spannt.

Was das Gespräch ausmacht, sind nicht so sehr die Worte, die gewechselt werden. Die Beziehung wächst über den Bogen des Gesprächs. Die Worte der Samariterin tasten sich vor, immer ein Stück weiter, durchaus auch geführt von ihrem Gegenüber, bis sie selbst ihre Suche nach dem Messias benennen und ihn in Jesus erkennen kann. Aber die Dynamik, die das Gespräch entwickelt, hat ihren Antrieb nicht aus dem Gespräch selbst, sondern anderswoher. Es ist, als versuchten die Worte die Person abzutasten, zu berühren (und ein bisschen zu begreifen), die der Samariterin gegenüber am Brunnen sitzt. Der Ursprung der Dynamik liegt in der Begegnung selbst. In der bloßen Anwesenheit dessen, der die Frau am Brunnen um Wasser bittet.

Dass die Samariterin sich im Laufe des Gespräches tief verändert, drücken an der Oberfläche die Worte aus, die sie mit Jesus wechselt. Das eigentliche passiert darunter. Seine Anwesenheit genügt, um Zeit in Heilszeit zu verwandeln. Alltag in Lebensfülle. Beschämende Wahrheit über mich selbst in den Ausgangspunkt meiner Sendung.

Um das Gespräch zu beginnen, bricht Jesus mit seiner Kontaktaufnahme zu einem weiblichen Samariter gleich zwei Konventionen. Der Erzähler bemerkt zuletzt nüchtern das Unverständnis und die Unsicherheit der Jünger darüber (vgl. Joh 4,27b). Die Anwesenheit Jesu ist offensiv. Sein eigener Durst die Voraussetzung, den Durst der Samariterin zuletzt mit Lebens-Wasser zu löschen. „Gib mir zu trinken“ (Joh 4,7) mag ein Wort sein, das auch durch eine Zeit trägt, in der der eigene Durst schmerzlicher bewusst wird als in Zeiten, da Beziehungen, Unbeschwertheit, innerer und äußerer Friede, … die gemeinsame Feier von Jesu Tod und Auferstehung (in unseren Breiten) leichter zu haben sind als zur Zeit. Jesu Durst lässt sich nicht auf Grenzen ein. Sein Mit-uns-Sein auch nicht.

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