Wieder hier. Das Sherut schraubt sich nach und nach ins Bergland und zur Stadt hinauf. An den Adressen der anderen Fahrgäste entscheidet sich noch, wie lange ich brauchen werde, um wirklich „in den Toren“ zu stehen. Gegen die nüchterne Freude des berühmten Wallfahrtspsalms 122 kann weder der aggressive Handy-Klingelton des Fahrers noch dessen Fahrstil etwas ausrichten. „Wegen meiner Brüder und Freunde… will ich sagen: In dir sei Friede.“

Keinen Wunsch, kein Gebet hat die Stadt, hat der Landstrich, die mich für die kommenden Monate aufnehmen, so notwendig, wie diesen: „Erbittet für Jerusalem Frieden.“

Die ausgeprägte Sicherheitskontrolle am Abflughafen, in deren Verlauf unter anderem meine Bücher, mein Fön, meine Strümpfe, mein Münzgeld, schließlich ich selbst gründlich visitiert wurden, hat es mir gleich zu Beginn meines Jahres im Heiligen Land vor Augen geführt. Die Fahrt hinauf in die Stadt, vorbei am eingezäunten Bereich der Palästinensergebiete, noch mehr. Jedes Mal wieder. Trotzdem wehrt sich etwas in mir, die Erfüllung des Gebets erst für die himmlische Stadt zu erwarten.

Weiter schraubt sich das Sherut hinauf. Die Schwüle von Tel Aviv ist der aufdringlichen Kälte der taxi-eigenen Klimaanlage gewichen. Mein Pullover leider, in einem Anflug von Leichtsinn, im Kofferraum. Trotz und in allem: „Ich freute mich, als man mir sagte…“

[Bild: (c) G. Nassauer, 2018]

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